Trotz der schrecklichen Geschehnisse in den USA und der damit einhergehenden grossen Zurückhaltung, Reisen in Länder mit Konfliktpotential zu buchen, trafen am Abend des 21. Septembers 2001 zwölf Tauchfreaks im Flughafen Kloten ein, in Erwartung neuer Unterwasserabenteuer! Das Gepäck wurde schon am Vorabend in Bern aufgegeben, so war das Übergewicht an diesem Tag keine Sorge mehr!

Die Teilnehmer: Dänu, Doris, Karoly, Hans-Ruedi, Judith, Klaus, Fréderic, Andrea, Rolf, Stefan, René, Christine und Freundin (nicht Taucherin)

Nach einem unspektakulären Abendessen im Flugzeug versuchte man sich allgemein in verschiedensten Stellungen im Ruhe finden und Schlafen. Die leichte, warme Briese am Airport Hurgada entschädigte für das geräderte Gefühl. Die ca. einstündige Busfahrt zum Hotel nahm man denn locker noch auf sich. Im Hotel kannten dann aber alle nur noch ein Ziel: Rascher Zimmerbezug und noch ein paar Stunden Schlaf kriegen! Am ersten Morgen fanden sich, trotz zum Teil kleiner Augen, so langsam alle zum Frühstück ein und Dänu der Unentwegte, konnte bereits seine ersten Infos los werden. Die Formalitäten im Barakuda Diving Center waren schnell erledigt, das fehlende Material (Blei und Tauchzeugkiste) besorgt und somit stand dem Checkdive zu Beginn des Nachmittags nichts mehr im Wege. Was sein muss, muss sein und so übten wir uns in Oktopus-Atmung und Maskenleeren. Für manch unerfahrenen Taucher der erste Adrenalinschub! Danach machten aber die Fischchen und Fische klar Lust auf mehr!

Wir freuten uns ob unserem Glück, während der ganzen Woche mit dem gleichen Schiff für uns alleine – der MS Bigblue – und der gleichen Crew unterwegs sein zu können. Es gesellte sich lediglich noch ein Schweizerpärchen, Leila und Stefan, zu uns, das die meisten Tauchgänge mit uns mitmachte. Unsere Tauchguidein Fela war routiniert und kannte die guten Stellen, um möglichst viele Korallen, Fische und andere Mehresbewohner zu sehen und dabei auf möglichst wenige unserer Artgenossen zu treffen. Was bei einigen Tauchplätzen nicht so einfach ist und auch nicht immer gelang. Am Sonntag ging es endlich mit dem Schiff am Vormittag raus zum ersten Tauchplatz, Tobia Kebir, und nach dem Mittagessen auf dem Schiff weiter zum Gamul Kebir. Hier konnten wir schon die ersten grossen Muränen bewundern, die wir die ganze Woche hindurch immer wieder entdeckten. An diesem Abend wurden traditionsgemäss die ersten Whisky-Flaschen, die am Flughafen gekauft worden sind, degustiert, und wilde Tauchgeschichten aus früheren Zeiten machten die Runde.

Auch wenn frühes Aufstehen und Ferien irgendwie schlecht miteinander vereinbar sind – zumindest für einige – trafen sich denn doch alle wieder um 9 h auf dem Schiff. Diesmal ging’s am Morgen zum Shab Sher, einem wunderschönen Korallengarten mit Canions und Felsen. Am Nachmittag beim Shab Claude bestand für Unentwegte die Möglichkeit, bei der Riffumrundung einen Strömungstauchgang zu machen. Und schon waren neue Abenteuergeschichten für den allfälligen Whisky-Abend geboren! Der wurde dann aber nicht allzu wild, da wir am nächsten morgen kurz vor Sonnenaufgang bereits aus den Federn mussten, um um 8 h den Tauchgang beim Wrack der Salem Express zu starten. Die Salem-Express sank 1991 auf ihrer Jungfernfahrt, 800 Menschen fanden dabei den Tod. Das ca. 100 Meter lange und 20 Meter Breite Wrack wird nun auf gut 30 Metern Tiefe von zahllosen Tauchern besucht. Skurril wirkt der beginnende Korallenbewuchs auf dem Wrack. Details wie herumliegende Spielkarten erzählen aber noch immer von den dramatischen Szenen, die sich abgespielt haben.

Wir hatten aber nicht lange Zeit, solchen Gedanken nachzuhängen, denn um 11 h starteten wir schon den Drop-of-Tauchgang beim Panorama-Reef West. Wir liessen uns von den vielfältigen Korallengärten bezaubern und staunten über die vielen Blaupunktrochen und anderen Korallenfischen. Gestärkt durch ein wie immer reichhaltiges Essen – jeweilen Fisch oder Poulet – und nach einer ausgiebigen Siesta nahmen wir dann beim Panorama-Reef Süd unseren für diesen Tag dritten Tauchgang in Angriff. Auch hier sahen wir in Mitten toller Korallen, Steinfische, Drachenkopffische und wer gut hin sah auch die unglaublich schönen Schnecken, die wie Juwelen die Korallen zierten. Der nächste Morgen brachte uns zu den viel bekannten und leider noch mehr besuchten sieben Türmen, Tobia Arba. Hier konnte unschwer erkannt werden, dass sich Tauchen langsam zu einem Volkssport entwickelt. Der Nachmittagstauchgang beim Camul Kebir Nord war etwas chaotisch, verirrten sich doch einige Tauchpaare zwischen den weit auseinander liegenden vier Türmen.

Angesichts der drei Tauchgänge, die wir uns für den nächsten Tag vorgenommen hatten, lagen an diesem Abend keine grossen Ausschweifungen drin. Beim Shab Hamdala genossen wir die wunderbaren Korallen, die Barsche und die vielen kleinen und kleinsten Korallenfischschwärme. Am Nachmittag trafen wir beim Shab Sher Soraya leider ein aschgraues, fahles Riff an. Langjährige Aegypten-Taucher finden leider die Riffs in einem ständig schlechteren Zustand vor. Wir trösteten uns aber damit, dass wir ja noch den Nachttauchgang vor uns hatten, und zwar beim Camul Kebir Nord. Auch hier war aber leider der Einstieg unglücklich gewählt, denn wieder verfehlten einige den richtigen und rechtzeitigen Ausstieg. Dies war leider auch schon unser letzter Tauchgang; wir wollten unseren Körpern vor dem Heimflug noch genügend Zeit für die Entsättigung lassen.

Eigentlich hatte aber niemand etwas gegen einen faulen Tag am Pool oder Strand einzuwenden. Die durch das süsse Nichtstun überschüssige Energie wurden wir bei einem feurigen und intensiven Wasserballspiel im Pool der grossen Hotelanlage wieder los. Danach wurde das Freitauchen, beim Versuch die kleine Insel im Pool zu umrunden, ausgiebig trainiert. Beim Animationsprogramm der Italienischen Animateure wollte dann aber keiner von uns so recht mitmachen. Das Bedauern ob dem Ferienende wurde dann beim Schmieden der ersten Pläne für die nächsten Tauchferien vergessen. Nach dem letzten Abendessen im Hotel ging es dann spät Abends wieder an den Heimflug. Früh morgens kamen wir müde aber erfüllt und zufrieden in Zürich-Kloten an.

 

Doris und Karoly

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