Am 12. Oktober 2002 traf sich der Sporttauchclub Delphin frühmorgens im Grauholz zum Tauchausflug an den Bodensee mit dem Ziel, die am 12. Februar 1864 gesunkene „Jura“ zu betauchen.

Nach flotter Fahrt mit Kaffeepause und einem Test bezüglich Fingerfertigkeit und technischem Verständnis am Beispiel eines höchst komplizierten Schreibinstrumentes, den wir Gott sei Dank alle bestanden und damit die Tauchererlaubnis von unserem Chef Dänu erhielten, ging es bei zunehmend sonnigem Wetter zügig Richtung Bottighofen weiter.

Dort angekommen zogen wir bei relativ frostigen Temperaturen, aber recht sonnigem Wetter, unsere „Trockis“ und „Nassis“ über. Nach der Begrüssung von Hans, der die „Jura“ im September 1976 nach jahrelanger Suche wiederentdeckte, führte er uns zu seinem Boot und schon ging es rasant Richtung Seemitte. Erstaunlicherweise ist der Fundort der „Jura“ an der Seeoberfläche weder markiert, noch auf irgendeiner Karte eingezeichnet. Dieser Umstand hielt Hans jedoch nicht davon ab, den Ankerplatz metergenau zu finden (ohne GPS). Nach fachmännischem Briefing und Hinweis auf Boden- und Dekozeit machten wir uns um 12.10 Uhr zum jump-over bereit. Im Unterschied zum Thunersee ist die Wasserqualität des Bodensees milchiger und in Anbetracht der doch schwachen Sonnenbestrahlung wurde es relativ rasch dunkel. Entlang der Ankerleine erreichten wir die Jura mit einer Punktlandung mittschiffs auf der Steuerbordseite. Der Tiefenmesser zeigte rund 37 Meter an. Die Jura liegt aufrecht im Schlick des Bodensees. Deshalb ist es wichtig, dass alle Taucher beim Erreichen des Wracks sich frühzeitig austarieren um keine unnötigen Sedimente aufzuwühlen und das Tauchvergnügen schmälern. Die Mitglieder des Sporttauchclubs Delphin bewältigen die Herausforderung vorbildlich und so stand einem unvergesslichen Taucherlebnis nichts im Wege. Wir umrundeten das Wrack in tiefster Schwärze aber bei absolut klaren Sichtverhältnissen und eisiger Temperatur von ca. 4°C ( zumindest für Nasstaucher) in rund 20 Minuten.

Das Schiff ist sehr gut erhalten, so dass man meinen möchte, es sei erst kürzlich restauriert worden. Deutlich ist der Schriftzug „Jura“ lesbar. Aufbauten, Steuerhaus, Toilette, Anker, Reling und viele einzelne Details, welche im Schein der Lampen sichtbar werden, machen diesen Tauchgang zu einem unvergesslichen Erlebnis. Leider müssen wir die von Hans vorgeschriebene Grundzeit zwingend einhalten.Für uns ist klar, dass die Jura noch viele Geheimnisse birgt und wir sie sicher wieder besuchen müssen, um diese erkunden zu können. In der Folge verlassen wir das Wrack und machen uns alle gemeinsam an den Aufstieg. Entlang der Leine geht es langsam wieder aufwärts, wobei das Wasser Sprung für Sprung von schwarz auf grün wechselt. Vorschriftsmässig nehmen wir auf 3 Meter Tiefe die Dekozeit wahr, strecken nach 33 Minuten den Kopf über die glitzernde Wasseroberfläche und steigen wieder ins Boot zurück.

Anschliessend beseitigt Hans jegliche Spuren, welche auf das „Grab der Jura“ hindeuten könnten. Mit dem Wissen, dass wir einen der schönsten, interessantesten und abenteuerlichsten Wracktauchgänge in der Schweiz erlebt haben, geht es in zügiger Fahrt zurück in den Hafen.

Nach unserer Retablierung und der Verabschiedung von Hans knurrt uns allen der Magen. Nach längerer Diskussion und in Anbetracht der fortgeschrittenen Mittagszeit, beschliessen wir unseren Hunger nach dem „American way of Life“ zu stillen. Immerhin wurde dieser kulinarische Absturz kurz vor Bern mit einer guten Cremeschnitte oder einem Vermicelles ausgebügelt.

Wir danken unserem Organisator Frédéric für diesen gelungenen Ausflug und möchten es nicht unterlassen dem Tauchclub für die Übernahme der Kosten herzlich zu danken.

Judith und Ruedi

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